Frauen in der Mission – einzigartig berufen

07.04.2014 10:12
Dr Carina Gruber arbeitet als Tierärztin in einem Hirtenvolk in Uganda, ihr Mann Simon ist Evangelist
Dr Carina Gruber arbeitet als Tierärztin in einem Hirtenvolk in Uganda

Menschen für Jesus zu gewinnen, das macht das Wesen (1Petr 2,9; Apg 1,8) und den Auftrag (Mt 28,18f) der christlichen Gemeinde aus - vor Ort und bis an die Enden der Erde. Dieser Auftrag gilt Männern und Frauen in gleicher Weise.

Frauen im AT

Bereits im Alten Testament nahmen Frauen bedeutende Funktionen ein – wenn auch nicht sehr häufig: Mirjam war Prophetin und leitete das Volk Israel im Gebet (2.Mose 15,20; 4.Mose 12; Micha 6,4) – wobei die prophetische Rede im engen Zusammenhang mit Verkündigung steht. Debora war Prophetin und Richterin und führte das Heer Israels in die Schlacht (Ri 4). Die Prophetin Hulda verkündigte dem König Israels und den Priestern Gottes Willen (2.Kön 22,14). Joel verhieß die Ausgießung des Geistes Gottes über Männer und Frauen, so dass Söhne und Töchter weissagen werden (Joel 3,1f). Die Magd Naemans wies ihren Herrn auf den Gott Israels hin (2.Kön 5,1ff). Königin Esther rettete durch ihr mutiges Engagement das Volk Israel vor der Vernichtung, Abigail (1.Sam 25) ihre Familie durch ihr Führungstalent. Sprüche 31,1ff lobt die Leitungsgabe und das Verhandlungsgeschick von Frauen – die damals meist nur über eine geringe Bildung verfügten und zurückgesetzt waren.

Frauen in den Evangelien

Marias Lobpreis (Lk 1,46ff) ist eine wegweisende Prophetie und lehrt bis heute unzählige Gemeinden. Die Prophetin Hanna erzählte von dem gekommenen Messias „allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten“ (Lk 2,38). Jesus wandte sich in besonderer Weise Frauen zu, und erstaunlich viele gehörten zu seinen Nachfolgern (Mt 12,50; Lk 10,40f; Mk 15,40f), wenn auch nicht zu den zwölf Jüngern. Frauen versorgten Jesus finanziell und dienten ihm mit ihren Gaben (Lk 8,2f). Sie standen unter dem Kreuz von Jesus und berichteten entscheidende Ereignisse und seine letzten Worte (Mt 27,55). Sie wurden von Gott als erste Augenzeugen der Auferstehung und erste Verkündiger (!) dieser Guten Nachricht berufen (Lk 24,10). Der auferstandene Jesus begegnete ihnen zuerst (Mt 28,9). Frauen gehörten zu den engsten Mitarbeitern der Gemeinde, und viele Gemeinden trafen sich in ihren Häusern (Apg 12,12; 16,40; 1.Kor 16,19; Kol 4,15).

Praxis des Apostel Paulus

Im Team von Paulus fällt die große Zahl an Frauen auf: Unter den 55 in seinen Briefen namentlich genannten Mitarbeitern sind 17 Frauen. Da ist die Missionarin Priscilla zusammen mit ihrem Mann Aquila (Röm 16,3; 2.Tim 4,19) – wobei sie meist vor ihrem Mann genannt wird. Sie lehrte den Theologieprofessor Apollos und zählte zu den effektivsten Mitarbeitern von Paulus.

Bei Junia handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Frau, die „berühmt ist unter den Aposteln“ (Röm 16,7); die Diakonin Phöbe im Dienst der Gemeinde in Kenchreä (Röm 16,1) hat vermutlich den Römerbrief überbracht (eine Missionsreise?). Tryphäna und Tryphosa waren zwei Mitarbeiterinnen, die „in dem Herrn arbeiteten“ (Röm 16,12) und Frau „Persis hat sich viel gemüht im Dienst des Herrn“ (Röm 16,12). Evodia und Syntyche haben mit Paulus „für das Evangelium gekämpft“ (Phil 4,2f). So hatte Paulus eine erstaunlich große Zahl Frauen in seinem Team.

Bei einem Jahreseinsatz können junge Christinnen testen, ob Mission für sie infrage kommt
Bei einem Jahreseinsatz können junge Christinnen testen, ob Mission für sie infrage kommt

Die Frau schweige ...?

Die eindrucksvolle Vorgehensweise des Apostel Paulus scheint zunächst im Widerspruch zu zwei seiner Lehraussagen zu stehen (1.Kor 14,34; 1.Tim 2,12) – hier soll es aber alleine um den Missionsdienst von Frauen gehen, nicht um ihre Stellung in der Gemeinde. Dass Paulus nicht das völlige Schweigen gemeint haben kann, wird bereits daran deutlich, dass er in den gleichen Briefen das öffentliche Beten und prophetische Reden von Frauen im Gottesdienst ganz selbstverständlich voraussetzt (Apg 21,9; 1.Kor 11,5; 1.Tim 2,9).

In 1.Kor 14,34 geht es vielmehr um das Fragenstellen und Dazwischenreden im Gottesdienst (V. 35), das einen würdigen Ablauf des Gottesdienstes (V. 40) beeinträchtigen und ungläubige Besucher abschrecken (1.Kor 14,6ff) sowie das Ansehen der Christen in der Gesellschaft beeinträchtigen würde (1.Kor 11,6ff). Zudem bezeichnet das griechische Wort „laleo“ (reden, 1.Kor 14,35) im 1. Korintherbrief vor allem: Zungenrede, lallen, plappern, Laute ausstoßen, nicht aber lehren.

... sie sei still !?

In 1.Tim 2,12 schreibt Paulus: „Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, noch über den Mann zu herrschen, sondern sie sei still.“ Viele Ausleger verstehen dieses Verbot allgemein, andere von der Grundbedeutung der griechischen Worte her:

    1. Das Wort „häsychia“ (stille sein) findet sich ebenso in 1.Tim 2,2 und meint dort „friedevoll, geordnet“, vgl. Apg 11,18; 21,14 („schwiegen wir und sprachen“); 1.Thess 4,11; 2.Thess 3,12; 1.Petr 3,4 – dort bedeutet es nie schweigen im wörtlichen Sinne. 
    2. Der Begriff „Herr sein“ (authento) kommt nur an dieser Stelle im Neuen Testament vor, so dass seine genaue Deutung umstritten ist. In der Gemeinde soll aber grundsätzlich niemand über einen anderen herrschen, sondern anderen dienen (Gal 5,13; Eph 5,21; 1.Petr 4,10 u. 5,3). Das gilt für Männer und Frauen.
    3. Lehren (didasko) als autoritativer Unterweisung kam damals eine besondere Funktion zu, als die Bibel als Wort Gottes noch nicht voll offenbart war. An anderer Stelle bestätigt Paulus das Lehren von Frauen (2.Tim 3,15), ja er fordert sie sogar zum Lehren (von Frauen) auf (Tit 2,3f).
    4. Grammatikalisch ist das „weder lehren, ... noch herrschen“ (griech: ouk ... oude) oft als Parallelismus zu verstehen (vgl. Mt 6,20 u. 28; 4,22; Hebr 9,25). Das heißt, das Herrschen über andere wird untersagt – Frauen wie Männern.
    5. Zudem gilt grundsätzlich, dass jedes Bibelwort im Licht der anderen Bibelstellen ausgelegt werden muss.

In der Auslegung dieser Stelle kommen bibeltreue Christen in der Achtung vor Gottes Wort zu unterschiedlichen Erkenntnissen. Und wir müssen unsere Verschiedenheit (Eph 4) respektieren. C. und R. Kroeger beispielsweise übersetzen 1.Tim 2,12: „Ich gestatte einer Frau weder zu lehren, noch von sich zu behaupten, sie sei der Ursprung/Herrscher des Mannes.“ (Conrad S. 41)1. Das öffentliche Lehren von Frauen ist umstritten, während das Schreiben von Büchern selten als Problem empfunden wird, wobei sie dabei Tausende lehren. Hier jedoch soll es ausschließlich um die Rolle der Frau in der Mission gehen, und das erfordert auch das Reden in der sendenden Gemeinde und im Einsatzland – und dafür gibt es m. E. ein gutes, biblisches Fundament.

William Webb (2001)2 beschreibt Gott als erfahrenen Hirten, begabten Lehrer, umsichtigen Leiter, vollkommenen Evangelisten und liebevollen Vater, der sein Volk nicht verwirrt, noch die Gesellschaft durch extreme Forderungen zerstört. Er führt Schritt um Schritt. In einer Zeit, als Frauen noch rechtlos waren, hat Gott Mose das Gesetz gegeben, in dem Frauen einige Rechte und Schutz zugesprochen wurden – eine Revolution in der damaligen Zeit. Jesus ging noch weit darüber hinaus: „Ich aber sage euch, wer eine Frau ansieht ... wer sich von einer Frau scheidet ...“ (Mt 5,28ff). Er sagte das nicht als Gegensatz zum mosaischen Gesetz, sondern als Erweiterung. In gleicher Weise hat Paulus einige gesellschaftliche Normen seiner Zeit hingenommen (1.Kor 7,13ff; 11,5f; Eph 6,5f; 1.Ti 6,1f) und nur den nächsten Schritt aufgezeigt– nicht notwendigerweise den Endpunkt (die Idealethik). Jesus erklärte, dass er seine Jünger noch viel zu lehren hätte und der Heilige Geist sie in alle Wahrheit leiten würde (Joh 16,12).

Frauen in der Missionsgeschichte

Egal ob im medizinischen Sektor, als Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen oder Seelsorgerinnen: Frauen kommt oft eine Schlüsselrolle zu
Frauen kommt oft eine Schlüsselrolle zu

In der Kirchengeschichte war Mission eines der ersten Arbeitsgebiete, in denen neben Männern auch Frauen schon sehr früh selbständige und eigenverantwortliche Aufgaben übernommen haben. Etwa die Missionsklöster im frühen Mittelalter. Und in der Herrnhuter Brüdergemeine (ab 1722) hat Graf Ludwig von Zinzendorf auch Frauen als Älteste in die Gemeindeleitung berufen sowie ledige Frauen in die Mission ausgesandt. Der kometenhafte Aufstieg der ev. Glaubensmissionen im 19. Jahrhundert war untrennbar verbunden mit der gleichberechtigten Stellung von Männern und Frauen: Die Gründer Hudson Taylor (China Inland Mission, heute OMF/ÜMG), Charles Studd (WEC) und Frederic Franson (TEAM) warben leidenschaftlich um ledige Frauen für die Arbeit in Übersee. Sie suchten die größtmögliche Zahl von Mitarbeitern zu gewinnen, denn sie erwarteten die Wiederkunft von Jesus erst, wenn allen Völkern das Evangelium verkündigt wäre – was ohne den Einsatz von Frauen nicht vorstellbar war.

Diese Glaubenswerke waren geprägt von der Erweckung und Heiligungsbewegung (Keswick), in der betont wurde, dass Mann und Frau gleichermaßen zum Ebenbild Gottes geschaffen und zum Dienst gerufen sind. Damals wurden Frauen in erstaunlicher Freiheit zum Dienst in Gemeinde und Mission ermutigt. Dazu mögen auch zeitgeschichtliche Umstände beigetragen haben wie der Bürgerkrieg in den USA, der zahllosen Männern das Leben gekostet hatte, so dass in der Folgezeit Frauen viele Leitungsaufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Gemeinde übernehmen mussten. In diesen Jahren gründeten Frauen etliche christliche Organisationen und Initiativen: Isabella Lilias Trotter, Mary Slessor, Catharine Booth, Amy Carmichael, Isabella Thoburn, Joy Ridderhof, Gladys Aylward, Betty Stam, Rachel Saint, Helen Roseveare, Elizabeth Green... Um 1900 gab es bereits mehr als 40 von Frauen gegründete und geleitete Missionswerke, so auch die Zenana-Mission in England (heute: Interserve), die ab 1852 ledige Frauen nach Indien aussandte; erst 100 Jahre später wurden auch die angeheirateten Ehemänner zugelassen – und noch heute stellen Frauen einen großen Teil der leitenden Mitarbeiter. Fredric Franson und Hudson Taylor gründeten in Deutschland u.a. die Allianzmission, Liebenzeller Mission und Marburger Mission, die damals im Wesentlichen von Frauen geleitet wurden. Mit dem Ausklingen der Erweckungsbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand diese Entwicklung ein abruptes Ende; von nun ab wurde das Leitungsamt von Frauen in vielen Gemeinden und Organisationen infrage gestellt.

Auch heute stellen Frauen mehr als die Hälfte der Missionare in ev. Missionswerken dar. Von den Mitarbeitern der DMG weltweit sind ein Drittel ledige Frauen, ein Drittel verheiratete Frauen, ein Drittel verheiratete Männer und nur eine Handvoll ledige Männer, so dass Frauen zwei Drittel der aktiven Missionare stellen. Ohne ihren Beitrag könnte nur ein Bruchteil der Arbeit geleistet werden.

Besondere Aufgaben

So einzigartig jeder Mensch ist, so individuell sind auch seine Gaben und Erfahrungen. Es gibt Frauen, die als Fluggerätmechanikerin in der Mission arbeiten – und auch Männer in typischen Frauenberufen. Dennoch sind einige grundsätzliche Trends erkennbar.

    • In vielen Kulturen der Welt ist das gesellschaftliche Leben (zumindest teilweise) geteilt, so dass Frauen nur mit Frauen kommunizieren und Männer nur mit Männern. Da sind Mitarbeiterinnen unersetzlich, um die Bevölkerungsmehrheit (51-52 Prozent der Bevölkerung sind Frauen) zu erreichen – ebenso wie Männer, um die Männer der Welt zu erreichen.
    • Viele Kulturen sind patriarchalisch, so dass Männern die Macht und Verantwortung im öffentlichen Leben zufällt, während Frauen vor allem die Träger von Kultur, Tradition und Werten sind. Da hat ein männlicher Missionar gesellschaftlichen Einfluss, stellt aber gleichzeitig einen „politischen Machtfaktor“ dar. Er kann als Bedrohung empfunden werden, während eine Missionarin ja „nur eine Frau“ ist.
    • Das Vorbild der Missionarin macht einheimischen Frauen Mut, ihre Gaben und Erfahrungen zu erkennen, zu entwickeln und in Gemeinde und Mission einzusetzen.
    • In einem Gemeindebau-Projekt werden Missionare gern als Vorbild für einheimische Älteste gewählt – aber auch schnell als unverzichtbar angesehen (oder kleben die Männer zu lange an ihrer Verantwortung?). Studien zeigen, dass in Gemeindegründungsprojekten, die von einer Missionarin begleitet werden, einheimische Mitarbeiter schneller in ihre Verantwortung hineinwachsen.
    • Männer denken eher strategisch, handeln nüchtern und sachlich, während viele Frauen besonders gut kommunizieren. Sie legen Wert auf persönliche Beziehungen und Vertrauen, nehmen „atmosphärische Störungen“ feinfühlig wahr und lassen sich durch ihre Intuition leiten – beide Sichtweisen ergänzen sich gut.
    • Viele Männer neigen mehr zu einem direktiven Führungsstil, Frauen eher zu einem interaktiven, konsultativen, so dass sich die Teammitglieder stärker mit der Aufgabe identifizieren.
    • Frauen haben oft besondere Begabungen und Erfahrungen in medizinischen, sozialen, pädagogischen und linguistischen Berufen.
    • Männer sind oft mutig, neigen aber auch zu Risiko und Selbstüberschätzung (nicht nur beim Autofahren), während Frauen sich meist vorsichtiger und situationsgerechter verhalten.
    • Frauen verfügen über ein großes Potential an Hingabe und Opferbereitschaft. Männern dagegen fällt es leichter, Grenzen zu setzen.
    • Frauen verfügen oft über eine besonders robuste Gesundheit und können Schmerzen besser ertragen, so dass ihnen besonders herausfordernde Aufgaben anvertraut werden.

    • Ledige Missionarinnen haben nicht in gleicher Weise für Kinder zu sorgen, so dass ihnen besonders riskante Aufgaben (z. B. Pioniersituation, Notstandsgebiete) angeboten werden, in die man keine Familien entsenden würde.

    • Ledige Frauen kommen mit der Einsamkeit besser zurecht als ledige Männer. Nach statistischen Untersuchungen ist die vorzeitige Rückkehr von ledigen Frauen nur halb so hoch wie die von ledigen Männern.

Diese Liste geschlechtsspezifischer Unterschiede ist bei weitem nicht vollständig – und gilt auch nicht für jede Einzelperson – doch werden daran einige Stärken und Schwächen beider Geschlechter deutlich. Wenn Frauen und Männer wie bei Paulus in einem Team zusammen arbeiten, können sich ihre verschiedenen Erfahrungen und Gaben gegenseitig ergänzen und verstärken (Synergie)3.

Monika Mench, Koordinatorin für Auslandseinsätze
Monika Mench

Männer und Frauen werden in gleicher Weise im Missionsdienst benötigt. Frauen sind Gottes besonderes Geschenk und Instrument in seiner weltweiten Arbeit. Das gilt auch für Sie, liebe Leserin. Wenden Sie sich an uns, wenn Sie Genaueres erfahren möchten. Ich helfe Ihnen gerne weiter auf Ihrem ganz persönlichen Weg in Sachen Mission ... 

Monika Mench,
Koordinatorin für Auslandseinsätze

 

 

  1. C. Conrad, Der Dienst der ledigen Frau in den deutschen Glaubensmissionen, VKW, 1998.

  2. William Webb, Women, Slaves, Homosexuals – Exploring the Hermeneutics of Cultural Anthropology. IVP, 2001.

  3. H.-M. Schmalenbach, Frausein zur Ehre Gottes im Kontext verschiedener Kulturen, Francke, 2007. 

 

 

 

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