DMG-Erlebnistag: „Lebendig, menschlich, herrlich!“

2.000 Besucher begeistert von Glaube, Interaktion und Flair

S i n s h e i m (tv). Rund 2.000 Gäste informierten sich am Sonntag (21.05.) beim christlichen Missions- und Hilfswerk DMG über ihre Flüchtlingsarbeit und Projekte in aller Welt. Die DMG hatte die Türen von Schloss Buchenauerhof geöffnet, zu einem Erlebnistag mit viel Interaktion und Flair.

Nothilfe nach Dürrekatastrophe in Ostafrika

Der Kenianer Rev. Francis und DMG-Parsonalleiter Afrika, Andrew Howes
Rev. Francis und Andrew Howes

Im Festgottesdienst forderte der kenianische Pastor Francis Omondi die Christen in Europa auf, sich verstärkt gegen den Klimawandel einzusetzen und auf Regierungen einzuwirken, damit diese ihre Klimaversprechen einhielten. Rev. Francis lebt in Garissa (Ostkenia), einer Region, die von einer verheerenden Dürrekatastrophe und Hungersnot heimgesucht wird. Ursachen sind Klimawandel und Krieg. „Die Menschen verlieren alles, Tausende hungern“, berichtete er, „wegen Wassermangel stirbt das Vieh, die Lebensgrundlage der Menschen, und es gibt keine Ernte.“

Seine 86 kenianischen Mitarbeiter versorgen, finanziert von der DMG, momentan tausende Familien mit Trinkwasser und Nahrung. Sie bohren Brunnen und helfen medizinisch. Die Hungerhilfe sei ein wichtiges Signal an die mehrheitlich muslimische Bevölkerung der Sahelzone, „dass Christen sie nicht im Stich lassen“, so der kenianische Pastor Rev. Francis beim Erlebnistag. Die DMG will 90.000 Euro in die Hungerhilfe Ostafrika investieren und bittet um Spenden. Der Kenianer dankte herzlich für diese Unterstützung.

Im Rundzelt hörten die Besucher auf Rev. Francis aus Kenia
Im Rundzelt hörten die Besucher auf Rev. Francis aus Kenia

Flüchtlinge brauchen Paten

DMG-Mitarbeiter Martin Seidl-Schulz (Regensburg) berichtete in seinem Seminar, wie die Dürrekatastrophe sich bis Europa auswirkt. Er schilderte das Leid eines Somalis, der vor Hunger, Dürre und Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen war. Seidl-Schulz, der Flüchtlingen bei der Integration hilft, forderte die Zuhörer auf, Einwanderern praktisch beizustehen. Viele seien verzweifelt, weil Freunde zu Hause sterben, litten unter Depression und Orientierungslosigkeit. Es sei wichtig, persönliche Freundschaften zu knüpfen und sie bei Behördengängen und Arztbesuchen zu begleiten.

2.000 Besucher verteilt auf zwei Mal vier Gottesdienste und ein Dutzend Themenseminare
Tag der offenen Tür im Schloss

Von besonderer Bedeutung sei Seelsorge, damit sie den Kulturschock und die Folgen ihrer Entwurzelung verarbeiten könnten. Dabei sollten Christen bewusst auch von ihrem Glauben erzählen. Einwanderer seien dankbar dafür. „Für Muslime ist es normal, über Glauben zu sprechen“, so Seidl-Schulz. „Integration ist ein jahrelanger, steiniger Weg, auf dem die Flüchtlinge dringend die Hilfe von uns Christen benötigen“, sagte er. In seiner Region hilft der DMG-Mitarbeiter, indem er Flüchtlingskindern die Fahrräder repariert, Wohnungen für Familien sucht und gebrauchte Möbel organisiert. Immer wieder werde er nach Bibeln gefragt und solle von Jesus erzählen. „Die Hilfe für die Seele ist genauso notwendig, wie alles Materielle und Soziale“, davon ist der DMG-Mitarbeiter überzeugt.

Dass die Reaktion Deutschlands auf die Flüchtlingskrise weltweit Beachtung fand, zeigte ein Statement von Rev. Francis im Gottesdienst. Er dankte der deutschen Bevölkerung für ihre offene Tür, dass eine Million Menschen in Not einreisen durften. „Das hat das Bild von Deutschland bei uns in Afrika drastisch verändert!“

OpenAir-Gottesdienst im romantischen Park

Seemannspastor Felix Henrichs bei der Predigt
Seemannspastor Felix Henrichs

Zweimal gab es beim „Tag der offenen Tür“ der DMG einen OpenAir-Gottesdienst im romantischen Park, musikalisch begleitet von Simon Georg und Band. Es predigte der junge Seemannspastor Felix Henrichs, der im Auftrag der DMG im riesigen Hafen von Rotterdam die Matrosen und Offiziere auf großen Frachtschiffen besucht. Henrichs berichtete von Begegnungen mit rauen Seebären. In seiner Predigt sprach er über Anbetung: das sei keine Gottesdienstform, sondern ein Lebensstil. „Jeder Mensch betet, selbst ein Atheist – dieser allerdings nur zu sich selbst!“ Denn jeder stelle irgendwas auf Platz Eins in seinem Leben. Für Christen sei wichtig, Familie, Nachbarn und Freunden zu erklären, dass niemand aus eigener Kraft zu Gott kommen kann. Anbetung sei nur möglich, „wo Gott sich uns Menschen zuwendet“. Das habe er in Jesus Christus getan. „Dank Jesus ist der Weg zu Gott nun frei!“, erklärte Henrichs. Wahre Anbetung habe Auswirkungen aufs ganze Leben, nicht nur auf den Gottesdienst sonntags. Christen sollten alles zu Gottes Ehre tun, egal ob in der Firma, beim Einkauf oder in der Kirche.

Kulinarisches vom Feinsten

Internationale Köstlichkeiten probieren und chinesische Massage genießen
Internationale Köstlichkeiten probieren

Die DMG, die von Sinsheim aus 350 Mitarbeiter in soziale und kirchliche Aufgaben und Projekte entsandt hat, verwöhnte ihre 2.000 Besucher beim Erlebnistag mit Leckereien aus vielen Kulturen: „Caffè Italiano“ mit Taralli (Salzgebäck), afrikanische Bohnenpfanne, thailändische Snacks und arabischen Chai samt Datteln. An der „Dankbar“ erhielten Durstige kostenlos Fruchtcocktails. Wer es deftig wünschte, ließ sich Flammkuchen, Hähnchen oder Steaks munden. Dazu die Möglichkeit, sich taiwanesisch massieren zu lassen.

... damit unsere Nachbarn und Freunde erleben, wie Glaube und Mission im 21. Jahrhundert funktionieren.

Der ultimative Alaska-Test
Der ultimative Alaska-Test

„Überhaupt war die Ausstellung eine Wucht!“, sagte Lydia, eine 43-jährige Besucherin aus Erfurt. Sie spendet schon seit Jahren für die DMG und freute sich, mit ihren Missionaren ins Gespräch zu kommen. Die DMG hatte ihre Vorstellung der Projekte kreativ gestaltet – alles zum Mitmachen. Martin Hornfischer, der Eskimojugendliche in Alaska fördert, prüfte die Kältetauglichkeit der Gäste: Sie sollten 30 Sekunden ihre Hand in Eiswasser tauchen. Eine Missionsärztin maß Blutdruck. Ihre lächelnde Frage „Wofür schlägt dein Herz“ brachte den Blutdruck einer jungen Frau auf 160. Unter der riesigen arabischen Kalligrafie eines Bibelverses malten Gäste Henna. Andere bauten Lego und übten Sandmalerei. Faszinierend, in welcher Vielfalt die DMG den Glauben anschaulich machte.

Eine Ausstellung mit Flair – DMG-Erlebnistag 2017
Eine Ausstellung mit Flair
Wunderbare Bibelszenen, detailreich mit Knetmasse geformt
Knetgummibibelabenteuer

Kinder freuten sich übers Ponyreiten im Park. Oder lernten von Myriam Schott, Tiere und Menschen aus Knetmasse zu formen. Ihre „Knetgummibibelabenteuer“ wurden zum ersten Mal in Deutschland gezeigt und brachten Jung und Alt zum Schmunzeln. Die Künstlerin aus dem Elsass bildet biblische Szenen wie David und Goliath, Jona und den Wal oder Noah und die Arche detailreich, humorvoll und farbenfroh von Hand aus Knetmasse. Die Gesichter begeisterten und luden zum Nachdenken ein. Die junge Französin erklärte Kindern beim Kneten, was die Figuren bedeuten.

Hausführung in Arabisch und Aquarelle

Eine Feier für Gäste aus Nah und Fern
Eine Feier für Gäste aus Nah und Fern

Es war echt ein internationales Event: erstaunlich viele Gäste kamen aus anderen Kulturen. Die Führungen durchs altehrwürdige Herrenhaus Buchenauerhof gab es sogar in Arabisch. Besucher Thomas (58) aus Neidenstein erklärte: „Schade, dass ich nicht schon früher zu einem Fest der DMG gekommen bin.“ Carmen (28) aus Bretten: „Der DMG-Erlebnistag war lebendig, menschlich, herrlich, auch das Wetter. Mein Sohn hat das Kinderprogramm mit ‚Rabe Rudi‘ sehr genossen.“

Die Missionarinnen Iris Rauscher (Ecuador) und Susanne Stoehr (Italien) zeigten Aquarelle und Acrylgemälde, die ermutigten und trösteten. „Das Bild ‚Goldene Tränen‘ hat mich tief angesprochen“, sagte eine Besucherin aus Darmstadt: „Es zeigt, wie Gott aus Zerbruch heraus Menschen wieder neu macht – sehr eindrucksvoll.“ Eines wurde beim Erlebnistag deutlich: Die DMG ist eine Missions- und Hilfsorganisation mit beeindruckender Vielfalt an Menschen und Projekten.

Sozialarbeit und Mission weltweit

Missionare stellten ihre Projekte vor
Missionare stellten ihre Projekte vor

Ärztin Elisabeth Zuelsdorf berichtete von medizinischer Hilfe für Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Irak. Hebamme Christina Krappe wird ab Herbst für die DMG im Benin arbeiten, weil dort 405 von 100.000 Frauen pro Jahr während Schwangerschaft und Geburt sterben, hundert Mal mehr als in Deutschland. „Ich betreue und bilde afrikanische Hebammen aus, damit mehr Frauen und Kinder überleben. So kann ich ihnen die Liebe von Jesus in Wort und Tat bringen“, sagte die 38-jährige Hebamme aus Mühlheim/Ruhr. Erzieherin Annekathrin Dörffel (Peru) erklärte, wie sie Jugendliche in den Anden fördert. Und Seniormissionar Johann Isaak berichtete von seinem Trinkwasserprojekt im Senegal.

350 Flammkuchen, gebacken von einem Team elsässischer Christen
350 Flammkuchen gebacken

DMG-Vorstandsmitglied Pfarrer Günther Beck, der den Erlebnistag organisiert hat, erklärte zum Ziel: „Alle drei Jahre machen wir einen interaktiven ‚Tag der offenen Tür‘; damit unsere Nachbarn und Freunde miterleben, wie Glaube und Mission im 21. Jahrhundert funktionieren.“