Missionare senden – wichtiger denn je!

Missionare helfen, dass Menschen eine Lebensgrundlage haben und nicht aus ihren Ländern fliehen
Missionare helfen, dass Menschen eine Lebensgrundlage haben und nicht aus ihren Ländern fliehen

Warum christliche Gemeinden weiterhin gute Mitarbeiter ins Ausland schicken sollten. Interview mit DMG-Mitarbeiterin Monika Mench (Bild rechts unten):

Du hast in den vergangenen 13 Jahren rund 190 junge Missionare beim Start ins Ausland begleitet, was war dein schönstes Erlebnis?
Ich denke an Anne, die sich mit der Überzeugung bei der DMG beworben hat, nach Indien berufen zu sein. In der Vorbereitungszeit orientierte sich alles in diese Richtung, am Ende jedoch erhielt sie keine Arbeitsgenehmigung. Hatten wir uns vertan? Da öffnete Gott eine Tür ins Nachbarland. Es dauerte etwas, bis Anne sich mit dem Gedanken anfreunden konnte. Inzwischen arbeitet sie seit zwölf Jahren mit Freude und Verantwortung in diesem Land und erlebt, wie Gott ihren Dienst gebraucht, um Menschen medizinisch, persönlich und geistlich zu helfen. Anne ist ein Hoffnungsträger in einer leidgeplagten Region. Gott hat oft andere Wege als wir – aber sie sind immer perfekt.

Was muss ein junger Christ heute mitbringen, damit die DMG ihn/sie sendet?
Wir suchen Missionare, die von Jesus Christus begeistert sind und sich selbst, ihre Begabungen und Erfahrungen für ihn einsetzen. Wichtig ist, dass sie erlebt haben, wie Jesus handelt – auch in schwierigen Zeiten. Gestern berichtete mir eine Bewerberin, wie Gott sie in einer Phase der Enttäuschung und Kraftlosigkeit durch die Bibel und andere Menschen ermutigt hat. Aus so einer Erfahrung heraus schöpft man auch im Einsatz Mut.

Es kommt zentral auf den Glauben an ...

Missionare sind Christen, die von Gottes umfassender und bedingungsloser Liebe angesteckt sind und diese mit anderen teilen, ohne Wenn und Aber.
Leben teilen ...

Wieso dieser Schwerpunkt auf Gottvertrauen?
Wir bereiten die Einsätze gemeinsam mit unseren Partnern gewissenhaft vor, aber es ist unmöglich, jedes Detail zu planen. Umstände, gesetzliche Bestimmungen, Personal, Termine und vieles mehr ändern sich unerwartet. Wie geht man damit um? Vertraue ich, dass Gott die Kontrolle behält und seinen guten Plan hat? Oder verzweifle ich, weil es nicht läuft wie gewünscht? Als Gott Abraham bat, sein Land zu verlassen, legte er ihm keinen genauen Reiseplan in die Hand. Abraham ging Schritt für Schritt im Vertrauen. Als er sich von seinem Neffen Lot trennen musste, weil das Land nicht mehr genug Nahrung für ihre riesigen Herden bereithielt, wählte Abraham den Weg des Vertrauens: in die Unsicherheit, aber in die Hand Gottes.

Mitarbeiter der DMG sind gefragt in aller Welt, was schätzen eure Partner in Übersee?
Wir Deutsche sind bekannt für planvolles Arbeiten, Praxistauglichkeit und Pünktlichkeit. Ob diese Eigenschaften auf uns alle zutreffen, weiß ich nicht. Doch wir können gut und gründlich arbeiten. DMG-Missionare haben eine intensive, praxisorientierte Vorbereitungszeit hinter sich und sind bereit, sich in die Gastkultur zu integrieren, gerade auch durch intensives Sprach- und Kulturstudium. Wir begegnen den Menschen mit Wertschätzung. Mit unserer Direktheit ecken wir zwar manchmal an, aber wir bauen an tiefen, langlebigen Freundschaften.

Jesus fragte: „Womit sollen wir die neue Welt Gottes noch vergleichen? ... Mit Gottes neuer Welt ist es wie mit einem Senfkorn, das auf ein Feld gesät wird. Es ist der kleinste Same, den es gibt. Wenn er aber in den Boden gesät wird, wächst er schnell heran und wird größer als andere Sträucher. Er bekommt starke Zweige, in denen die Vögel sogar ihre Nester bauen können.“ (Markus 4,30ff.)

Fast alle Berufe sind gefragt

Welche Berufe sucht die DMG?
Fast alle! Theologen, Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Ausbilder aller Art. Aber ich habe auch eine Tierärztin erfolgreich in ihren Einsatz nach Uganda begleitet. Wir suchen Mediengestalter, Internet- und IT-Experten, Verwaltungsleute und Projektleiter …

Ziel der DMG ist, neue Missionare zu fördern. Wie geschieht das praktisch?
Wir bieten ihnen einen zweimonatigen interkulturellen Vorbereitungskurs mit Blick auf Mission im In- und Ausland. Zudem hat die Unterstützung einen finanziellen Aspekt: Bei uns dürfen neue Missionare ihren Dienst beginnen, wenn 70 Prozent ihres Lebensunterhalts durch Spenden getragen sind – die restlichen 30 Prozent übernimmt die DMG. Dieses System beschleunigt eine Ausreise erheblich; neue Missionare haben es nicht so schwer.

Monika Mench (links) mit neuen Missionaren der DMG
Monika Mench (links) mit neuen Missionaren der DMG

Wofür sucht ihr besonders dringend Mitarbeiter?
60 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht vor gewaltsamen Konflikten, politischer, ethnischer und religiöser Verfolgung. Hinzu kommen Naturkatastrophen, die Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Nur ein kleiner Teil davon macht sich auf den Weg nach Europa, die meisten werden im eigenen Land oder Nachbarländern aufgenommen. Wir benötigen Helfer für Flüchtlingscamps in Mazedonien, der Türkei, dem Südsudan und anderen Ländern. Flüchtlinge haben traumatische Erfahrungen hinter sich, die aufgearbeitet werden müssen. Deshalb benötigen wir Seelsorger und Therapeuten, die sich von der Not nicht erdrücken lassen. Auch für medizinisches Fachpersonal (Community Health, Ärzte) gibt es großartige Einsatzmöglichkeiten.

Heute kommt die ganze Welt nach Deutschland. Glaubst du wirklich, dass Gott in dieser Situation noch Deutsche ins Ausland beruft?
Natürlich! Als DMG helfen wir nachhaltig mit, die Situation in Krisenregionen zu stabilisieren und die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern. Durch Schule, Ausbildung und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Südostasien bieten wir sozialschwachen Jugendlichen eine Perspektive. Dafür suchen wir dringend einen Betriebswirt und Marketing-Manager. In Albanien sind Fachkräfte erforderlich, die Berufseinsteiger in die Selbständigkeit coachen. In Afrika erwirtschaften Kleinbauern, Hirten und Fischer kaum, was sie zum Leben brauchen. Wir benötigen Berater und Ausbilder im Bereich Landwirtschaft für Mali und Tunesien, um Armut und Mangelernährung zu reduzieren und den Aufbau von nachhaltiger, rentabler Landwirtschaft zu unterstützen. Wer vor Ort eine Chance hat, flieht nicht nach Europa.

Ein Fremder kann den Unterschied machen

Was bringen eure Mitarbeiter im Ausland ein?
Hier in Europa besitzen wir eine qualifizierte Schul- und Berufsausbildung, fachliches Know-how und Weitblick. Vor einiger Zeit berichtete ein thailändischer TV-Sender über DMG-Mitarbeiter Johannes Janzen. Der Agraringenieur leitet ein Biokaffeeprojekt unter den Karen im Norden Thailands und ein Rollstuhlprojekt unter der Schirmherrschaft der dortigen Königsfamilie. Johannes und seine Frau Astrid sind mit der Kultur und ihren Bräuchen vertraut und werden von den Einheimischen geschätzt, weil sie und ihr Team zahllosen Bedürftigen geholfen haben. Während ihres Dienstes konnten sie ein Netz an Beziehungen aufbauen. Als Ausländer leben wir außerhalb des Systems im Gastland, wir sind nicht gefangen in gesellschaftlichen Strukturen und werden deshalb oft als anerkannte Gesprächspartner aufgesucht.

Und was bewirken sie geistlich?
Ein Fremder hat immer etwas Exotisches, Andersartiges, Eindrucksvolles an sich. Menschen reagieren neugierig und hören interessiert zu. „Weshalb hast du deine Heimat verlassen und verzichtest auf Wohlstand und die Nähe deiner Familie?“ Da können Missionare auf ihre Motivation hinweisen, dass wir im Auftrag von Jesus unterwegs sind und es uns nicht um Gewinn und Vorteil geht. Türen öffnen sich, Menschen finden zu Jesus. Da kommt jemand, der an ihnen interessiert ist, ihre Sprache lernt, Fragen stellt, von ihnen lernen will, mit ihnen zusammen isst, lacht und weint. Sie bekommen Hilfe zur Selbsthilfe und hören von der Liebe Gottes, die ihnen persönlich gilt. Das verändert nicht allein Menschen, auch politische, wirtschaftliche und soziale Umstände entwickeln sich.

Stelle ich mein Leben Gott zur Verfügung?

Mach dich auf den Weg
Mach dich auf den Weg

Was bringt der Einsatz dem Teilnehmer?
Die Frage sollte nicht lauten: „Was hab’ ich davon?“, sondern: „Bin ich bereit, mich Gott ganz zur Verfügung zu stellen und anderen zu dienen?“ Dann mache ich einzigartige Lernerfahrungen, die mein Leben verändern. Missionare setzen sich intensiv mit Sprachen und Kulturen auseinander, lernen neue Denkweisen schätzen, andere und sich selbst kennen und wachsen im Einsatz charakterlich. Sie erleben Gott existenziell und lernen, ihm zu vertrauen. Gebet ist keine Pflicht, sondern Quelle im Alltag. Die Bibel erweist sich als lebendig und spricht konkret in Situationen hinein. Ein Missionseinsatz ist ein Vorgeschmack auf den Himmel, wo Menschen aus allen Sprachen und Nationen gemeinsam Gott anbeten.

Deine eigene Aufgabe in dem Ganzen ist ...?
Ich begleite Christen allen Alters auf ihrem Weg in die Mission. Das beginnt schon mit jungen Erwachsenen, lange vor dem Einsatz, bei der Frage nach der Berufs- und Studienwahl. Später informiere ich sie über Einsatzmöglichkeiten, vermittle in den Einsatz und helfe bei der persönlichen Vorbereitung. Es ist eine begeisternde Aufgabe. Ich darf Gottes Spuren im Leben von Menschen entdecken, ihre Begabungen und Stärken fördern und ihnen helfen, ihren Platz in einem internationalen Team zu finden – damit alles, was Gott in sie hineingelegt hat, zur Entfaltung kommt. Es macht mich glücklich, wenn Interessierte plötzlich Einsatzmöglichkeiten entdecken, mit denen sie nicht gerechnet haben. Unsere Welt verändert sich rasant, ständig ergeben sich neue Aufgaben und Herangehensweisen.

Monika Mench, Koordinatorin für Auslandseinsätze
Monika Mench

Monika, was ist dein Wunsch für die junge Generation Christen?

Klinke dich ein in Gottes Mission und lass dich von ihm gebrauchen. Teile die Hoffnung in dir mit anderen. Die Nöte und Schmerzen dieser Welt sind eine Möglichkeit, Armen, Benachteiligten und Vergessenen zu dienen. Angesichts von Unrecht und Not fallen wir nicht in Gleichgültigkeit, das wäre verantwortungslos. Dein Leben wird nicht ärmer, wenn du es für Jesus einsetzt – im Gegenteil. Lass dich von ihm gebrauchen und staune, was er daraus macht …