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Und jetzt? Einen Monat nach der Explosion im Libanon
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Und jetzt? Einen Monat nach der Explosion in Beirut

Ein Update von unseren Partnern vor Ort. Ihre Eindrücke während und direkt nach der Katastrophe können Sie hier nachlesen.

Vor fast einem Monat explodierte Beirut. Mitarbeiter unserer Partnerorganisation vor Ort sind seither damit beschäftigt „Puzzleteile“ wieder zusammensetzen. Dank Ihrer Unterstützung können sie Menschen medizinische, sowie seelsorgerliche Hilfe anbieten. Wir sind dankbar für jedes Gebet und für jede finanzielle Hilfe.

„Morgen wird alles besser.“

7. August 2020. Kurz nach Sonnenaufgang, während die Stadt noch ruhig und kühl ist, betreten wir das Kirchengebäude. Drei Tage nach der tragischen Explosion im Stadtzentrum. Unsere Tagesklinik im Kirchengebäude der Nazarener Kirche existiert seit etwa vier Jahren und ist die derzeitig einzige Anlaufstelle für Arme, Bedürftige und Flüchtlinge aller Nationalitäten und Konfessionen im angrenzenden Slum von Beirut.
Als ich zaghaft einen Tag vorher bei unserem Team nachfrage, ob jemand schon bereit wäre mitzuhelfen, bin ich überrascht über die vielen Zusagen. Wenn man bedenkt, dass vier Frauen von unserem sechsköpfigen Team selbst Opfer der Explosion sind und ihre Wohnungen große Schäden aufweisen, bin ich sehr dankbar für diese Bereitschaft. Während die Stadt langsam erwacht und mit ihr das Klirren der Glasscheiben, die überall aufgekehrt werden, warten schon etliche Menschen vor der Kirchentür. Neben der Wundversorgung bieten wir Gespräche und Gebet an, was viele Menschen dankend annehmen. Aber wir spüren den Schock und das Trauma in jeder Interaktion. Miteinander zu sprechen scheint uns viel schwieriger als gewöhnlich, als würden unsere Worte nicht zueinander durchdringen, als hätte uns jemand Schalldämpfer eingebaut. Die Meisten weisen neben Verletzungen auch Gedächtnisstörungen auf. Es kommt uns vor, als hätte die Zeit vor dem tragischen Ereignis nicht existiert. Alles geht viel langsamer und im Wartebereich ist es ungewöhnlich still.

Ich danke Gott für deine Sicherheit

„Hmd alla al salemi“ – „Ich danke Gott für deine Sicherheit“ ist die traditionelle Begrüßung nach Krankheit, Reisen oder schweren Ereignissen. Diese wohlgemeinten Wünsche werden an diesem Morgen hunderte Male ausgetauscht und es freut uns zu hören, dass Gott unbewusst oder bewusst gedankt wird, inmitten der Krise. Denn besonders bei den männlichen Patienten hören wir Resignation, Ärger und Hoffnungslosigkeit. Viele sagen: „Mein Großvater sagte immer schon: Morgen wird alles besser, ebenso mein Vater und ich soll das nun auch meinen Kindern sagen? Nein wir haben genug, es ist niemals besser geworden in diesem Land.“ Ghassan* erzählt, wie er am Abend nach der Explosion zu Fuß hilflos in der Stadt herumgeirrt ist. Seine Schnittwunde am Bein, die die eingeschlagenen Fensterscheiben verursacht haben, hörte nicht auf zu bluten und das nahe gelegene Krankenhaus war selbst zerstört. Nach Stunden wurde er erst versorgt. Andere berichten wie ihre Kinder inmitten von Scherben saßen, nachdem die Explosion die Scheiben in ihre Wohnung gedrückt hatte. Wir als Team können nur zuhören und miteinander trauern, die richtigen Worte gibt es im Moment nicht. Da sein, ihnen die Hand reichen, das Leid miteinander teilen, ist heute die beste Medizin.

 

Und jetzt?

Fast einen Monat später. Nach der anfänglichen Zerstreuung haben wir wieder etwas Grund unter den Füßen gefunden. Wir sind sehr dankbar für alle Eure Gebete und Ermutigungen, ebenso die zahlreichen Spenden, die eingegangen sind. Viele fragen: „Wie geht es euch?“ Es fällt uns ehrlich nicht leicht die richtigen Worte dafür zu finden. Vielleicht könnt Ihr Euch eine Packung mit einzelnen Puzzleteilen vorstellen, die auf den Boden gefallen und überall durcheinander verteilt sind. Aber es fühlt sich so an, als hätten wir bereits einige der zerstreuten Puzzleteile wiedergefunden und sie mit Gottes Hilfe wieder in das Gesamtbild eingefügt. Drei Wochen Aufräumarbeiten liegen hinter uns: Glasscherben zusammenkehren, Türen einsetzen, Dächer abdichten, Unterkünfte für Obdachlose herrichten, Essenspakete austeilen, Kranke besuchen, medizinische Hilfe und seelsorgerliche Gespräche anbieten. Unsere Teams der Beiruter Gemeinde haben auch tatkräftig mitgeholfen, die zwei zerstörten Krankenhäuser in unserem Bezirk aufzuräumen. Tausende in unserem Gemeindebezirk sind direkt von dieser Katastrophe betroffen und dadurch traumatisiert. Das Gesicht des Traumas ist vielseitig: Manche Kinder sprechen nicht mehr, Jugendliche wollen lieber heute als morgen das Land verlassen und Eltern sind vor Sorgen schlaflos. Wir nehmen die emotionalen und spirituellen Bedürfnisse der Menschen sehr ernst und bieten Gebetsgruppen und psychologische Beratung für Familien und Einzelpersonen an. Denn wenn diese aktuelle Krise vorbei ist, müssen wir uns trotzdem auf viele anhaltende familiäre und finanzielle Probleme einstellen, deren Lösung etwas dauern kann. Doch trotz all den Schwierigkeiten spüren wir, dass Gott gegenwärtig ist und uns treu bleibt. Da wo unsere Worte enden, beginnt Gott zu reden und zu handeln.


*Name geändert

 

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