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Nach der Katastrophe: Ein Bericht aus Beirut
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Nach der Katastrophe: Ein Bericht aus Beirut

von Mitarbeitern unserer Partnerorganisation im Libanon

Beirut, im Libanon. Am 4. August 2020, einem Dienstagabend, an dem wir von einem Abendspaziergang gerade den Parkplatz unseres Hauses erreichen, hören wir einen extrem lauten Knall, der als Echo in den Bergen um uns herum widerhallt. Das Haus neben uns wackelt und kleine Steine fallen herunter. Zeitgleich rennt die Nachbarsfamilie nach draußen, drei Frauen rufen geschockt durcheinander „Was war das?!“ Was war das. Die Sekunden des Geschehens fühlen sich wie Stunden an, Fragen schießen uns durch den Kopf, ist es ein Erdbeben, ein Gewitter? Können wir ins Haus gehen oder sollten wir besser draußen bleiben? Kurze Zeit später erreicht uns die tragische Nachricht: Es gab eine Explosion in Beirut, die wir 19 Kilometer entfernt vom Explosionsort miterlebt haben. Rana*, meine Freundin in Beirut, ruft etwa zehn Minuten später an – ich verstehe sie kaum, denn sie weint hysterisch. Sie und ihre zwei Kinder, beide noch nichtmal zehn Jahre alt, sind als unmittelbare Augenzeugen der Explosion sofort aus dem Haus geflüchtet und zu unserem Kirchengebäude gerannt, um Schutz zu suchen. Im ersten Anruf sagt sie mir: „Es ist alles kaputt.“ Tränengeschrei überwiegt dieses Telefonat. Unsere Kirchengemeinde liegt im Zentrum etwa zwei Kilometer vom Ort der Katastrophe entfernt. Nach kurzer Überlegung – was packen wir ein, wie ist der sichererste Weg des Fahrens ­­­­­– machen wir uns mit dem Auto auf den Weg und ahnen noch nicht, was uns erwartet.

Eine verwüstete Stadt unter Schock

Auf der Straße wimmelt es bereits von Autos: hektisches Fahren, Hupen, jeder hat es eilig. Wir sind noch etwa 15 Kilometer entfernt, da sehen wir bereits die riesige Rauchwolke über Beirut. Der Himmel ist orangerot, die Luft ist verdichtet von schwarzem Rauch, der sich auf unsere Lungen legt. Überall schrillen Sirenen. Wir parken unser Auto und gehen die letzten Meter zu Fuß, da der Verkehr vollständig zum Stillstand gekommen ist. Inzwischen ist es dunkel geworden in Beirut. Erschüttert, schweigend, schockiert laufen wir, während wir rechts und links neben uns die Zerstörung der Häuser wahrnehmen. Angekommen im Kirchenbezirk, dem Slum von Beirut, steigert sich die Verwüstung. Vor uns liegen die Straßen übersät mit Glasscherben, das Knirschen unter unseren Füßen ist sehr unangenehm, die Dunkelheit und der zusätzliche Stromausfall lassen uns zunächst nur wenig sehen. Amira und ihre Familie wohnen am Anfang der Straße. Intuitiv gehen wir bei ihnen als erstes vorbei und finden ein Haus im Schockzustand vor. Najla, die elfjährige Tochter, sitzt zitternd am ganzen Körper zwischen ihren Eltern und ist kreidebleich. Wir nehmen die Familie mit uns. Insbesondere Najla braucht den räumlichen Wechsel, spüren wir. Gemeinsam gehen wir weiter in Richtung Kirche, überall sind Menschen auf der Straße, weinen, reden wild durcheinander, räumen zerbrochene Gegenstände und Steine aus ihren Häusern. Alle Namen unserer Freunde und Kirchenbesucher schießen uns durch den Kopf und wir versuchen uns zu orientieren, wo sie wohnen. Wir wollen nur sicherstellen, dass es ihnen gut geht. So rufen wir ihnen teilweise über die Straße zu und gehen weiter. Es sind zu viele, als dass wir heute länger verweilen könnten. Das Kirchengebäude ist übersät mit Scherben, Fenster sind aus der Verankerung gerissen, die Lampen sind aus den Decken gedrückt, Bildschirme zerstört. Dort treffen wir dann Rana und ihre Familie. Tränen überströmt berichten sie uns, was sie vor etwa einer Stunde erlebt haben. Wir können nur mit ihnen weinen und zuhören. Uns fehlen jegliche Worte. Immer mehr Nachrichten erreichen uns und wir sind dankbar, dass es wenig Verletzte bei uns gibt. Nach Stunden haben wir einigermaßen den Überblick, dass keiner schwerverletzt ist, alle Vermissten haben Lebenszeichen gegeben. Ein erstes Aufatmen. Also beginnen wir mit Aufräumarbeiten. Diese Horrornacht beschließen wir mit einer gemeinsamen Tasse Tee mit allen Anwesenden und sind Gott so dankbar, dass er uns beschützt hat.

Scherben aufkehren, Menschen auffangen

Nach einer weitgehend schlaflosen Nacht machen wir uns früh am Mittwochmorgen wieder auf den Weg nach Beirut. Bei Tageslicht trifft uns das Schicksal noch härter als wären wir in einem schlechten Traum, aus dem man aufwachen möchte aber nicht kann. Das Geräusch von Glasscherben, die aufgekehrt werden, übertönt das ganze Viertel. Das Klirren ist unerträglich in unserer Ohren. Unsere Freunde und Nachbarn der Gemeinde kommen vorbei und teilen Ihr Leid und ihre Verzweiflung. Unsere Armenküche hat notdürftig ihren Laden aufgeräumt und kocht weiter, etwa 12 Stunden nach der Explosion. Ich fahre das Essen für die Armen heute im Kleinbus aus, da Roller fahren zu riskant wäre. Ich suche meinen Weg durch die Zerstörung des Viertels, in manchen Straßenzügen steht kein Stein mehr auf dem anderen, Häuserteile sind weggerissen, Leute sitzen traumatisiert davor und manche bleiben drin, obwohl sie das Haus verlassen sollten. Die Polizei versucht großräumig abzusperren, da Einsturzgefahr herrscht. Ich bahne mir meinen Weg zu Fuß, laufe bewusst in der Straßenmitte, der Kloß in meinem Hals wird immer größer. Viele kommen auf mich zu, klagen ihr Leid, zeigen mir ihre verwüsteten Wohnungen, in denen nichts mehr am Platz zu sein scheint. Eine alleinstehende ältere Frau zeigt mir ihren Papagei, wie er lustig den Kopf dreht - es schenkt uns einen kleinen Moment der Freude, inmitten des Leides. Unsere äthiopische Gemeinde, mit denen wir das Kirchengebäude teilen, besteht aus ca. 200 jungen Frauen, viele sind Dienstmädchen oder Haushaltshilfen. Ihre Häuser sind stark betroffen und sie wohnen nun zusammengepfercht auf noch kleinerem Wohnraum. Wir können ihnen spontan Hilfe anbieten und verteilen zum Beispiel Reissäcke. Meine Frau kocht eine einfache Kshiksuppe – das ist eine traditionale libanesische Suppe aus getrocknetem Joghurt – und wir genießen die Gemeinschaft unseres kleinen Helferteams. Ein Tag mit weiteren Aufräumarbeiten, notdürftigen Abdichtungen der Fenster und Zuhören geht zu Ende. Freitagmorgen werden wir die erste „Trümmer Klinik Sprechstunde“ im Kirchengebäude öffnen, da dringend medizinische Versorgung nötig ist. Trotz oder gerade wegen dieser unbegreiflichen Not, fühlen wir uns berufen, Hoffnungsboten zu bleiben in dieser zerstörten Stadt. Wir wollen den Menschen die Hand reichen, medizinische Hilfe geben, ihnen beistehen, zuhören, sie einfach lieben. Danke für eure Gebete.

*Alle Namen wurden geändert

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