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Familie Hartmut und Gabriele Beyer sind DMG-Mitarbeiter in Temuco, Chile. Sie unterichten an einer Theologischen Ausbildungsstätte der chilenischen Kirche junge Pastoren und Evangelisten.
Familie Hans und Carmen Ziefle sind DMG-Mitarbeiter in Santiago, Chile. Ihre Aufgabe sind u.a. der Aufbau einer neuen chilenischen Mission und die Motivation junger chilenischer Christen für die Arbeit in anderen Kulturen.
Anmerkung der Redaktion:
Sie wollen für die Menschen in Chile spenden? Gerne leiten wir Ihre Gabe (Stichwort: Erdbeben Chile) an unsere internationalen Partnerwerke, christliche Gemeinden in Chile und unsere Mitarbeiter dort weiter. Hier finden Sie das Spendenkonto >>
Die beiden in Chile tätigen Mitarbeiter-Ehepaare der DMG, Hans und Carmen Ziefle (Santiago) sowie Hartmut und Gebriele Beyer (Temuco), helfen derzeit aktiv gemeinsam mit chilenischen Christen zahlreichen Menschen in den am schwersten vom Erdbeben zerstörten Regionen ihres Landes. Sie sind immer wieder mit Chilenen zusammen zu Einsätzen unterwegs. Hier Berichte und Fotos von diesen Nothilfeaktionen ...
9. Juli 2010:
Hans & Carmen Ziefle
Kaum zu glauben, dass schon wenige Wochen nach dem schweren Erdbeben in Chile die Medien wieder an anderen Schauplätzen waren: die Finanzkrise und die Ölpest im Golf von Mexiko … Dabei ist die Situation für Millionen Chilenen weiterhin prekär. Für sie war die Katastrophe vom 27. Februar ein Wendepunkt. Drei Minuten haben ihr ganzes Leben verändert.
Mehr als 700 Tote, mehr als 500.000 Wohnhäuser zerstört. Drei Millionen Chilenen sind von dem Erdbeben direkt betroffen. Die neue Regierung hat die Herausforderungen professionell angegangen; es laufen Programme, Not wird gelindert und Finanzhilfe gut kanalisiert. Unser Land befindet sich in einer Phase des Wiederaufbaus.
Auch Kirchen und Privatinitiativen haben Hand angelegt. Die Chilenen rücken zusammen. Unsere christliche Gemeinde (90 Mitglieder) setzt mit viel Einsatz, Zeit und Geld Hilfsprojekte um. Wir haben ein vom Erdbeben zerstörtes Dorf adoptiert und helfen den Menschen dort ganzheitlich. Immer wieder schicken wir Teams mehrere Tage ins Dorf, um Wasser, Zelte, Decken, Lebensmittel, Notküchen, Medizin und Hilfsgüter zu verteilen. Ich war mehrmals dabei.
Über Ostern haben wir alle eigenen Aktivitäten abgesagt und sind vier Tage zum Baueinsatz in dieses Dorf gefahren. Wir halfen den Menschen, Schutt zu beseitigen und betreuten sie seelsorgerlich. Abends veranstalteten wir einen Ostergottesdienst zwischen Trümmern, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Derzeit bauen wir einfache Fertighäuser für die bedürftigsten Familien auf. Es macht Freude, wie die Christen anpacken und Not lindern.
Herzlichen Dank, dass Sie uns mit Spenden beschenkt haben. Wir konnten einen älteren Kleinbus anschaffen, der christlichen Gruppen kostenlos ins Erdbebengebiet bringt. Wir kaufen Baumaterial und geben es weiter. Wir leiteten Gelder an vertrauenswürdige Personen und Organisationen weiter und achten darauf, dass die Mittel auch wirklich bei Bedürftigen ankommen. Vielen Dank, dass Sie für uns und die Menschen in Chile beten.
24. März 2010:
Hartmut und Gabriele Beyer (DMG) berichten u.a. über einen Hilfseinsatz in der Stadt Concepción:
Die Hilfsaktionen unseres christlichen Gemeindeverbandes laufen auf Hochtouren. Hier in Temuco sind alle sechs Gemeinden nach dem Erdbeben in der Nothilfe aktiv geworden. Es werden Spenden und Hilfsgüter gesammelt und in koordinierten Aktionen in die am schwersten betroffene Region transportiert, wo sich zwei Schwestergemeinden befinden. Ein Bauunternehmer stellt seinen Lastwagen zur Verfügung. Wir unterstützen mit Spenden, die uns über die DMG erreichen, diese Hilfsaktionen.
Die Freude war groß, als unsere Ladung Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Windeln in der Stadt Concepción ankam. Aber auch Vorsicht war geboten, denn leider sind Überfälle und Plünderungen immer noch an der Tagesordnung. Man konnte die Hilfsgüter daher nur verdeckt abladen, nicht vor aller Augen, damit sie nicht geraubt würden. Die Gemeinde ist zur Anlaufstelle für Hilfe jeder Art geworden, nicht nur materiell. Sie helfen ganzheitlich: auch mit Blick auf die seelische Not.
Es gibt viele Schäden zu beklagen, zahlreiche Menschen haben ihre Häuser verloren. Ein Gemeindehaus ist zum Asyl für Obdachlose geworden. Die Helfer trafen eine junge Frau mit Kind, die unter ärmlichen Bedingungen in einer Hütte lebte, die jetzt zerstört ist. Bis der Staat ihr evtl. helfen kann, wenn überhaupt, werden Monate vergehen. Solche Menschen brauchen unsere Unterstützung. Viele Familien konnten wegen Einsturzgefahr noch nicht einmal ihr Hab und Gut bergen und müssen irgendwo bei Verwandten unterkommen. Und das alles im allgemeinen Chaos: Kein Wasser, kein Strom, kein Telefon, überall Schutt, Leichen unter den Trümmern, Kriminalität erschreckenden Ausmaßes. Und nicht zu vergessen die täglichen Nachbeben.
Noch dramatischer ist die Lage in den Küstengebieten und Fischerorten, die durch den Tsunami zusätzlich verwüstet worden sind. Dort sind hunderte Menschenleben zu beklagen. Glücklicherweise kommt auch die staatliche Hilfe in Gang, der neue Präsident tut, was er kann. Die Hilfsbereitschaft der Chilenen ist groß, aber bei den Ausmaßen dieser Katastrophe kommen sie an ihre Grenze. Umso dankbarer sind wir für alle Hilfe aus Europa.
24. März 2010:
Hans und Carmen Ziefle, Mitarbeiter der Deutschen Missionsgemeinschaft, schildern ihre Hilfseinsätze in fast vollständig zerstörten Dörfern:
Wir kommen gerade von einem Hilfseinsatz aus dem Gebiet Curicó und Talca zurück. Es ist unglaublich, ja beinahe unerträglich, all die Verwüstung und das Leiden der Menschen. Bereits in den ersten Tagen nach dem schlimmen Erdbeben hatte unsere Gemeinde einen Einsatz mit zehn Helfern in schlimmer Betroffenen Landesteilen gemacht. Am zweiten Einsatz jetzt beteiligten sich 18 Personen in fünf Teams drei Tage. Wir konzentrierten uns auf drei schwer zerstörte Dörfer im Hinterland, die noch kaum mit Hilfslieferungen erreicht worden waren. Wir stellten Zelte mit Notküchen für obdachlos gewordenen Familien auf und verteilten hunderte Decken, Kleider, Essen, Medizin und Schlafsäcke.
Die Stadt Talca und große Teile ihres Hinterlandes in den Anden sehen aus wie ein Kriegsgebiet – voller Trümmer und Ruinen. Menschen sitzen lebensmüde und depressiv am Straßenrand. Andere versuchen, sich etwas zu bauen, was sie vor dem kommenden Regen und Winter schützt. Im Dorf Paso Ancho stehen nur noch 20 von 80 Häusern. Im Zentrum von Talca ist jedes zweite Haus eingefallen, einige Straßenzüge liegen komplett flach. Eine alte Frau kam auf mich zu und erzählte unter Tränen, dass ihr Mann in jener Nacht (27.02.) direkt neben ihr gestorben sei, weil die Hauswand eingestürzt war und ihn in seinem Bett unter sich begraben hat.
Don Segundo, ein Mann um die 50, war mehr als zwei Stunden in den Trümmern begraben, bevor Nachbarn sein Schreien hörten und ihn bei Tagesanbruch retteten. Sein Körper ist mit Prellungen und Wunden übersäht, aber er hat sich nichts gebrochen (ein Wunder). Jeder dort hat ein Trauma. Es ist mehr nötig als nur Kleider, Essen, Baumaterial und materielle Hilfe. Die Menschen brauchen geistliche und psychologische Betreuung, um den Ängsten Herr zu werden.
Noch immer gibt es täglich Nachbeben, Erinnerungen kommen hoch. Eines der starken Nachbeben (7,1) dauerte fast eine Minute lang. Es kam gerade in dem Moment, als unser Pastor und ich auf dem offenen Dachstuhl des Hauses eines behinderten Mannes die Dachplatten entfernten, um diese und die Sparren zu retten, bevor das Haus abgerissen werden musste. Wir hingen da oben wie zwei Affen an die Sparren geklammert, während alles heftig schaukelte.
Derzeit sind wir dabei, Baumaterial zu besorgen und es arbeitsfähigen Menschen zukommen zu lassen, damit sie sich vor dem Winter an den Wiederaufbau ihrer Häuser machen können. Dabei haben wir besonders Alte und schwache Menschen im Blick, für die wir Notunterkünfte erstellen. Danke, dass Sie uns helfen durch ihre Spenden.
12. März 2010:
Es ist eindrucksvoll und bewegend, was unsere Mitarbeiter Hartmut und Gabriele Beyer aus Temuco (Chile) in ihrem Blog berichten - die ständigen starken Nachbeben, die ersten Hilfsaktionen der Kirche unter schwierigsten Umständen, Räuber, die Privathäuser überfallen ...
10. März 2010:
Ehepaar Ziefle (DMG) berichtet aus Santiago (Chile) über das Ausmaß der Katastrophe und wie die chilenischen Christen darauf reagieren:
Das Erdbeben hat unser Land massiv verändert: Jeder weitere Tag, der vergeht, zeigt uns eine noch dunklere Seite der Katastrophe. Aus den Großstädten, wo es immer Reporter gibt, sahen wir bereits wenige Stunden danach, welche Macht das Erdbeben hatte und was für ein Chaos dadurch entstanden ist. Jetzt erreichen uns Berichte aus den kleineren Städten, vom Land und der Küstenregion. Es ist erschütternd!
Die Menschen dort haben bis heute kaum Hilfe erhalten. Der Tsunami hat vielen alles genommen, da bleiben nicht mal Fotos der Familie, die trösten könnten. Ganze Dörfer sind vom Erdboden verschwunden. Viele Alte, Kranke und Hilflose haben alles verloren und sind nun auf Hilfe von außen angewiesen. Wie viele andere Organisationen beginnt auch unsere chilenische Kirche mit praktischen Hilfseinsätzen. Tausende haben nicht das Nötigste. Es fehlt an Essen und Trinkwasser, Zelten und Decken. Überall Mangel und Not.
Im ganzen Land wird gesammelt. Unsere christliche Gemeinde sammelt jede Woche Esswaren und Geld. Es werden Gottesdienst gefeiert, fürs Land gebetet, und sie tragen Spenden zusammen. Im Moment sind mehrere Teams aus der Gemeinde im Süden unterwegs mit ersten Hilfstransporten. Es mobilisieren sich im Land viele Kirchen und christliche Institutionen. Auch in Supermärkten, Sportvereinen, Schulen usw. wird gesammelt.
Was man im Land an Waren und Kräften aufbringen kann, reicht nicht aus. Das sieht die Regierung genauso. Internationale Organisationen machen sich auf, um Chile zu helfen, darunter auch christliche Organisationen.
Von Deutschland aus können Sie über die DMG unter dem Stichwort „Erdbeben Chile“ für die Betroffenen des Bebens spenden.
Herzlichen Dank im Voraus. Wir werden die Hilfe auf direktem Wege über Kirchen, Gemeindeleitungen und christliche Organisationen vor Ort zu Betroffenen der Katastrophe bringen. Durch unsere jahrelange übergemeindliche Arbeit haben wir im ganzen Land viele gute Kontakte zu Menschen, denen Sie vertrauen können. Auf diesen Wegen wird Ihre Spende wirklich hilfesuchenden Menschen zugute kommen.
5. März 2010:
Nach fast einer Woche ohne Strom, Telefon und Internet ist es unseren Missionaren Hartmut und Gabriele Beyer endlich gelungen, sich aus der vom Erdbeben betroffenen Stadt Temuco zu melden, wo sie an einer Theologischen Ausbildungsstätte tätig sind. Durch eine SMS wussten wir, dass sie das Beben heil überstanden hatten, mehr jedoch bisher noch nicht ...
Hier der Bericht von Beyers:
Liebe Freunde, wir hätten Euch gerne eher informiert, aber wir waren zeitweise ohne Strom, ohne Telefon, natürlich ohne Fernsehen und tagelang ohne Internet. Seit jetzt (3.3., 10 Uhr) geht es endlich wieder. Es geht uns gut! Das Erdbeben von der Stärke 8,8 auf der Richterskala (samt Tsunami!) haben wir gesund überstanden, aber mit einem gewaltigen Schrecken. Wir sind Gott dankbar für Bewahrung. Im Haus fielen Bücherregale um, sowie das aufgestapelte Feuerholz. Halb so schlimm. Anderen erging es weit weniger gut.
Knapp 800 Tote werden inzwischen offiziell gemeldet, aber es werden noch Hunderte vermisst. Zwei Millionen Häuser sind beschädigt, davon rund 500.000 (!) zerstört, 2 Millionen Menschen sind obdachlos. Es soll das fünftgrösste Erdbeben der Geschichte weltweit gewesen sein, sagen die Messungen, und in Chile das schlimmste seit 1960.
Die Zahlen sind abstrakt; doch dahinter stehen menschliche Schicksale und Tragödien. Schlimm ist, dass wir selbst zunächst gar nichts tun konnten. Denn wir waren uns zwar der Stärke des Erdbebens bewusst, hatten aber wegen des sofortigen Stromausfalls überhaupt keine Nachrichten, was woanders passierte. Da an unsrem Haus keine Schäden aufgetreten waren, ahnten wir nichts von der weitaus größeren Katastrophe in anderen Teilen unserer Stadt und in ganz Südchile.
Ein kleiner MP3-Player mit Radio und Akku war zwei Tage lang unsere einzige Verbindung zur Außenwelt. Es gab auch nur einen einzigen Lokalradiosender, der dank seines Generators noch in der Lage war, Nachrichten auszustrahlen - jedenfalls solange sie noch Benzin hatten. Von unserem Matthias, der 900 km entfernt in einem Hochhaus wohnt, hatten wir fast den ganzen Tag nichts gehört. (Unser Michael ist beruflich in der Schweiz).
Die Stromversorgung wurde erst zwölf Stunden später repariert, jedenfalls hier bei uns, fiel aber dauernd wieder aus. In unserem Stadtteil, einem Vorort von Temuco, ist im Großen und Ganzen alles in Ordnung. In anderen Teilen der Stadt gibt es bis zur Stunde noch kein fließendes Wasser; in anderen Landesteilen noch keinen Strom. Straßen sind unterbrochen, Brücken eingestürzt, Krankenhäuser kaputt, auch Häfen, der Flughafen von Santiago, die ganze Infrastruktur ist betroffen. Plünderungen von Supermärkten, die wegen Schäden oder Stromausfall geschlossen bleiben müssen, sind an der Tagesordnung, auch hier in Temuco ...
Leider können wir noch viel mehr sagen, als Ihr selbst aus den Nachrichten wisst. Denn es gibt fast kein Benzin hier zu kaufen. Wir können also auch nicht herumfahren, und uns ein Bild der Lage machen. Von den christlichen Gemeinden unserer Kirche hier habe ich noch kaum Nachrichten; wir haben mehrere in Concepcion und in der weiteren Umgebung. Die Kommunikation ist schwierig. Aus Santiago höre ich, dass es glücklicherweise keine größeren Schäden an den Gebäuden unserer chilenischen Kirche gab. Danke für alle Gebete!
Bei einem Gebäude unserer Theologische Ausbildungsstätte hier in Temuco sind tragende Pfeiler beschädigt. Wir hoffen sehr, dass wir das Haus nicht abreissen müssen! Das Dach der Autoeinfahrt ist herabgestürzt, einige gemauerte Schornsteine haben wir schon niedergerissen, wegen Einsturzgefahr. Aufgrund von Baumaßnahmen werden wir den Beginn des neuen Semesters verschieben müssen, soviel steht schon fest. Ich war in den vergangenen Tagen zu Aufräum- und Reparaturarbeiten dort.
3. März 2010:
Hans Ziefle berichtet:
Es geht uns soweit gut, 3 Tage nach dem Erdbeben. Seit einigen Stunden haben wir wieder Strom, Telefon und Internet. Wir danken euch für all eure Gebete. Chile wurde in der Nacht auf Samstag von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Das Epizentrum lag in Concepción (8,8 auf Richterscala) und bei uns hier in Santiago erreichten die Schwingungen ca. 7,5.
Es war mitten in der Nacht. Im Fernsehen lief gerade der Film "Titanic". Interessant, als die Titanic gerade unterging fing das starke Erdbeben an, das etwa 3 Minuten anhielt. Das Haus wackelte, wie man es sich kaum vorstellen kann. Das Beben wurde immer stärker, ich bekam Angst. Es fiel alles Mögliche von den Wänden und aus den Schränken. Der Strom fiel aus, alles wurde dunkel. Ich stand auf und versuchte, ins Schlafzimmer zu gehen, um Carmen zu wecken. Alles wackelte, ich konnte nicht gerade gehen und musste mich an den Wänden entlangtasten, um nicht zu fallen. Wie wenn man auf einer Luftmatratze geht.
Ich weckte Carmen und brachte sie so schnell wie möglich in den Garten. Der Vollmond strahlte, man konnte das Haus sich bewegen sehen. Als ob es jemand wie ein Wäschestück durchschüttelte. Ich kam in Panik. Wo waren unsere Julia und Daniel, sie schlafen im zweiten Stock. Ich stürzte wieder in das sich windende Haus und musste die Treppe hoch. Das war fast unmöglich, wegen den starken Erschütterungen. Ich kam in Julias Zimmer, sie lief mir im Halbschlaf entgegen, dann weckte ich Daniel und schleuste sie beide im Dunkeln nach draußen in den Garten. Wir saßen auf dem Boden, weil alles so wackelte, dass man nicht stehen konnte. Es dauerte eine weitere endlose Minute, bis es langsam nachließ und ausklang.
Wir erleben hier ständig kleine Erdbeben, gelegentlich auch mal ein größeres. Aber dieses war furchterregend und hat das ganze Land in Schock und Trauer versetzt. Drei Minuten reichen aus, um einen Menschen dazu zu bringen, dass er aus tiefstem Herzen fleht und betet. Ihr habt sicher im Fernsehen die Bilder gesehen. Man weiß bisher um 730 Tote, wahrscheinlich sind es noch viel mehr. Es sind Tausende Gebäude und Brücken eingestürzt. Der anschließende Tsunami hat Teile der Küste und die dort liegenden Dörfer getroffen. Aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis wissen wir bisher glücklicherweise von niemanden, der gestorben wäre.
Nun übernachten die Menschen auf der Straße. Es fehlt an Trinkwasser, Essen, Strom. Krankenhäuser sind überlastet, wegen zu vieler Verletzter. Stündlich gibt es Nachbeben (von denen man in der BRD schon Panik bekommen würde). Wir machen uns Sorgen wegen der Sicherheit im Land. Nachts ohne Strom und ohne Polizei? Inzwischen wird viel gestohlen. Nun hat die Regierung Ausgangssperren in einigen stark betroffenen Städten verordnet.
Es ist praktisch unmöglich, die Menschen im Süden Chiles zu erreichen, weil die Telefonnetze nicht mehr funktionieren und die Stromversorgung ausgefallen ist. Ohne Strom können die Leute auch ihre Handys nicht mehr aufladen. Unsere Kollegen und Freunde im Norden sind alle mit dem Schrecken davongekommen. Nun suchen wir nach Möglichkeiten, um unseren Freunden in den stärker betroffenen Gebieten zu helfen.
Anmerkung der Redaktion: Sie wollen für die Menschen in Chile spenden? Gerne leitet die DMG Ihre Gabe unter dem Stichwort "Erdbeben Chile" an unsere internationale Partnerorganisationen, christliche Gemeinden in Chile und an unsere Missionarsfamilien Ziefle und Beyer dort weiter.