Fam. Dietz, Malawi
Feuerprobe des Glaubens
Fam. Schempp, Angola
Beleuchtung das ganze Jahr
Fam. Hahn, Polen
Gott kommt ... im Sommer?
Tobias Messner, Äthiopien
Christfest bei 24 Grad ...
Inge Michel, Mosambik
Wie lieblich sind die Füße der ...
Fam. Rau, Senegal
Brasilianischer Weihnachtsmann in Afrika
Lassen Sie sich mit hinein nehmen in die Advents- und Weihnachtsstimmung auf anderen Kontinenten ...
Geschmückte Tannenbäume, Weihnachtsmusik, Schnee und Plätzchen - das kommt uns in den Sinn, wenn wir an Weihnachten denken. Kaum vorstellbar, die Weihnachtsfeiertage bei Sonne, 40 Grad im Schatten und mit völlig anderen Traditionen zu feiern. Missionare erleben das Fest der Geburt von Jesus in einer fremden Kultur, mit anderen Sitten und Bräuchen. Hier Berichte, was sie dabei bewegt:
Johannes und Judith Dietz
Malawi / Sprach- und Kulturstudium
Noch ist es dunkel, fünf Uhr in der Früh, leichter Nieselregen, ein afrikanisches Bergdorf. Es gibt weder Strom, noch fließend Wasser, dafür ist es richtig kalt, das Feuerholz nass, und ich bekomme es einfach nicht zum Brennen. Was mache ich eigentlich hier am frühen Morgen, erschöpft und mit steifen Gliedern? Von meiner Afrikaromantik ist in diesem Moment auf jeden Fall nicht mehr viel übrig. Lohnt sich so ein Leben? Was hat ein Mensch aus dem Westen in dieser Umgebung verloren?
Ich muss an Weihnachten denken: Zu was hat sich unser Herr erniedrigt? Krippe statt Himmel, Windeln statt Lichtglanz, stinkende Fischer anstatt Engel, mitleidiges Lächeln statt Anbetung, hasserfülltes Kreuzigungsgebrüll anstelle ehrfurchtvollen Schweigens. Auch wenn der Umstieg vom Wohlstand und Fortschritt in Deutschland in ein einfaches Afrikadorf mit Lehmhütten und Grasdach kaum mit der Umstellung vergleichbar ist, die Jesus bei seiner Menschwerdung erlebt haben muss, gibt es doch Parallelen.
Allein welche Überwindung es kostet, sich übers unerträglich stinkende Toilettenloch zu hocken, aus dem die Fliegen schwirren. Was muss es den Sohn Gottes gekostet haben, überhaupt so etwas wie Verdauung haben zu müssen? Der von Ewigkeit her ist, muss sich die Windeln voll machen? Erniedrigend!
Wie leicht ging es mir in Deutschland von der Hand, spannende Geschichten zu erzählen und Kinderherzen damit zu packen. Hier sitze ich nun, stammle auf dem Niveau eines Dreijährigen den biblischen Bericht von Zachäus herunter und werde von Frauen korrigiert, die nicht einmal Lesen und Schreiben können.
Warum lässt Gott mich nicht dort dienen, wo ich es perfekt kann? Wo es mir leichter von der Hand geht? Weil er will, dass ich „herunter komme“, so wie er herunter kam! Damit ich das nicht vergesse, erinnert er mich jeden Morgen beim Feuermachen daran.
An dem anfangs beschriebenen Morgen brannte das Feuer selbst nach einer halben Stunde noch nicht. Ein letzter Versuch, wie ich es bei den Einheimischen gesehen hatte. Sie knien sich auf den Boden, Gesicht dicht über der Erde und pusten direkt in die Flammen. Da wird man dreckig von lehmiger Erde, Asche verschmutzt die Haare, und die Hitze brennt im Gesicht, das lange Pusten ist anstrengend. Ich konnte es kaum glauben, auf diese Art brannte das Feuer tatsächlich!
Genau dort sprach Gott zu mir: Es gibt viele schöne Methoden, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Doch, wer nicht bereit ist, sich auch mal in den Schmutz herunterzubeugen, wird nur wenig bewirken. Um Menschenherzen zum Brennen für Jesus zu bringen, muss man auf die Knie gehen, hinab in die Asche, und Hitze und Anstrengung ertragen. Sind wir dazu bereit?
Carola und Tobias Schempp
Angola / Entwicklungshilfe
Soll das ein Zeichen sein? Oder hat man einfach vergessen die Weihnachtsdekoration von den Straßenlaternen zu nehmen? In den Hauptstraßen von Luena liegt der Staub zentimeterdick, wie brauner Schnee, darüber leuchtet das ganze Jahr Weihnachtsbeleuchtung. Nachts, wenn es Strom gibt, werden die bunten Lichter angeschaltet. Da die Dekoration das ganze Jahr über hängt, nimmt sie außer uns Neulingen hier niemand mehr richtig wahr. Ich finde es trotzdem großartig, dass im ganzen Jahr an die Liebe von Jesus und seine Geburt erinnert wird.
Kann man das überhaupt, an Weihnachten denken, in einem Land, wo so viele Menschen um das pure Überleben kämpfen? Wo es noch so viele traumatisierte Menschen gibt, vom langen Krieg und dessen Leid gezeichnet, kann man da feiern?
Es wird unser (Tobias, Carola mit Sarah und Linda) erstes Weihnachten hier in Angola sein. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Wir wollen den Menschen hier die Botschaft vom Kommen Gottes durch seinen Sohn Jesus Christus weitergeben, denn nur Jesus kann die inneren Wunden der Seele heilen und Menschen eine tragfähige, neue Hoffnung geben.
Mithilfe unserer Berufe, durch gemeinsames Arbeiten, Anleiten und Ausbilden, hoffen wir auch einen ganz praktischen Beitrag zum Aufbau des nach 40 Jahren Krieg zerstörten Landes zu leisten. Wir möchten Menschen, vorwiegend Jugendlichen, ermöglichen, sich Wissen im technischen und landwirtschaftlichen Bereich anzueignen und sie somit befähigen, Arbeit zu finden und ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Nach langem Warten auf unser Arbeitsvisum hat uns Gott nun die Tür nach Angola aufgetan, und wir sind sehr dankbar, dass wir nun hier unseren Dienst beginnen können.
Astrid & Andreas Hahn
Polen / Theologische Arbeit und Gemeindebau
Juli und August sind in Polen Sommerferien. Vielen Jugendlichen unserer Großstadt ist es nicht möglich, über all die Wochen auf Freizeiten zu fahren. Das brachte uns auf die Idee, eine stationäre Tagesfreizeit vorzubereiten: „CityCamp“ sollte Teenagern gute Workshops, tolle Ausflüge und ansprechende Botschaften anbieten. Eine Gelegenheit, Gott zu begegnen.
Die Vorbereitungen kosteten mich (Astrid) in der Hauptverantwortung viele Schweißtropfen. Noch nie hatte ich sowas gemacht. Ein halbes Jahr zuvor hatten wir mit einer anderen Gemeinde erst einen Teenagerkreis angefangen, ebenfalls mit null Erfahrung. Aber Gott hat gesegnet: Die Jugendlichen kamen, tankten auf, erlebten gute Gemeinschaft und nahmen Anregungen mit nach Hause für ihre Nachfolge. Aus diesem Grund wagten wir den nächsten Schritt auf dieses CityCamp zu. Die größte Schwierigkeit im Vorfeld war für mich die Koordination der einheimischen jugendlichen Mitarbeiter, die zwar mitarbeiten wollten, aber oft mit einem gewissen Mangel an Verbindlichkeit kämpften. Dann die große Frage, ob die Finanzen reichen und die beteiligten Gemeinden mitbeten würden, und schließlich, ob die Teenies überhaupt kämen.
Sie kamen, Gott sei Dank. 21 junge, fröhliche, auch herausfordernde Menschen. Einige davon Gäste aus nichtchristlichen Elternhäusern. Eine Woche lang verbrachten wir die Nachmittage und Abende mit ihnen. Der Abschied kam viel zu schnell. Aber deutlich kam hervor, dass die Jugendlichen angesprochen waren. Julia beispielsweise meinte, dass die Botschaften total anders wären als im Religionsunterricht in der Schule, viel lebensrelevanter. Alle, auch diejenigen, die bisher wohl Jesus noch nicht persönlich kannten, baten eindringlich um eine Fortsetzung des CityCamps im nächsten Jahr.
Hinterher haben wir uns als Team überlegt, dass zwar keine eindeutigen Entscheidungen für Jesus getroffen worden sind. Einiges gibt es da und dort noch zu verbessern, auch am Stil und Inhalt der Botschaften. Aber eindeutig war, dass die Jugendlichen Gottes Gegenwart gespürt hatten. Gott war zu uns gekommen. Er hat junge Menschen erleben lassen, was eine Gemeinschaft mit Jesus bedeutet. Wir beten, dass der gute Same aufgehen kann – nicht erst beim CityCamp 2010, auch jetzt schon. Inzwischen hat der Teenagerkreis unserer Gemeinden wieder angefangen, es sind durch das CityCamp neue Teens dazugekommen. Danke, wenn Sie mitbeten, dass die Jugendlichen sich 100prozentig auf Gott einlassen – weil er zu uns gekommen ist und nur darauf wartet, bis wir ihn in unser Leben einladen.
Tobias Messner
Äthiopien / Hilfsprojekte
Während bei euch in Europa die Weihnachtsdekoration herausgekramt, die letzten hart gewordenen „Gutsle“ vertilgt und das neue Jahr begrüßt werden, ist hier nichts von alledem zu spüren. Grund dafür ist der in Äthiopien geltende koptische Kalender. Danach sind wir gerade im Jahr 2003, haben das Millenium gerade erst hinter uns, Weihnachten ist im Januar und Neujahr wird im September gefeiert. Die Weihnachtszeit fällt jedes Jahr etwas anders aus, da es das typische „westliche Weihnachten“ hier nicht gibt.
Ehrlich gesagt, bin ich auch gar nicht traurig darüber, dem ganzen westlichen Weihnachtsdrumherum auszuweichen. Da rückt das eigentliche Ereignis in den Mittelpunkt: Jesus kommt, um uns mit Gott zu versöhnen. Er gibt seine göttliche Identität auf, um uns zu dienen. Das gilt hier in Äthiopien genauso wie für euch in Deutschland. Es ist die zentrale ungeheuerliche Botschaft unseres Glaubens.
Sind wir wie Jesus bereit, zumindest ein Teil unserer kulturellen Identität aufzugeben und Gott und den Menschen zu dienen? Als Christen und Missionare sind wir dazu aufgerufen, wo auch immer uns der Herr hingestellt hat.
Ach ja, ganz musste ich letztes Jahr an Weihnachten doch nicht auf Vertrautes verzichten; weil mich ein Paket mit Lebkuchen, Spekulatius und Marzipan aus dem Schwabenland erreicht hat. Ist schon ein lustiges Gefühl, bei 24 Grad mit äthiopischen Freunden Weihnachtsleckereien zu genießen. Meinen Freunden haben die deutschen Süßigkeiten übrigens sehr gut geschmeckt ...
Inge Michel
Mosambik / Biblisch-Theologische Ausbildung
Nassope ist einer, von bisher sechs Absolventen unserer theologischen Ausbildungsstätte INTENA in Nampula (Nordmosambik). Hier lernen Studenten verschiedener Kirchen und Gemeindeverbände gemeinsam das Wort Gottes besser kennen, um es dann klar in ihren Gemeinden vor Ort predigen zu können. Als Nassope seinen Abschluss machte, nahm seine Gemeindeleitung das zum Anlass, ihm Verantwortung zu übertragen. Seit einem Jahr fährt er nun mehrmals im Monat in zwei Distrikte, im etwa 200 km entfernten Küstengebiet, um dort die Gemeindeleiter kleiner Ortsgemeinden zu ermutigen und zu unterstützen.
Das Foto zeigt Männer in einer einfachen Kirche im Distrikt bei einem seiner Seminare. Verschiedentlich kam er in unsere Bibliothek, um eine Predigt oder ein Seminar zu einem bestimmten Thema vorzubereiten, Ideen zu holen oder einfach „nur“ um den Austausch über die Nöte und geistlichen Bedürfnisse der Glaubensgeschwister in islamischen und animistisch geprägten Distrikten zu suchen.
Wir, das INTENA Kollegium, freuen uns, wenn unsere Absolventen die Einrichtungen des Institutes nutzen und uns Rückmeldung geben, mit was für Situationen und Fragen sie an ihrem Einsatzort täglich konfrontiert sind. Moderne Technik hält Einzug in Mosambik. Libertino, ein junger Absolvent, ist heute in seinem Gemeindeverband verantwortlich für christliche Jugendarbeit. Er stellt uns immer wieder theologische Fragen per SMS, wenn in einem Seminar oder Bibelkurs überraschende Themen auftauchen.
Sie wollen mehr über meine theologische Arbeit in Mosambik wissen? Ab Januar 2010 werde ich in Deutschland im Reisedienst unterwegs sein und berichte Ihnen gerne von dem, was Gott hier wirkt. Laden Sie mich einfach über die DMG in Ihre Gemeinde, Gruppen oder Kreise ein. Ich freue mich schon darauf, Sie wiederzusehen.
Richard & Christiane Rau
Senegal / Internatseltern für Missionarskinder
Bei uns am BCS (Bourofaye Christian School), einem Internat für Missionarskinder, beginnt die Weihnachtszeit am 18. November, drei Wochen, bevor die Kinder unsere Einrichtung verlassen, um Weihnachten zu Hause mit ihren Eltern zu feiern. Wir, Christiane und Richard Rau mit Joshua und Lena, arbeiten hier als Hauseltern und Lehrer im zweiten Jahr. Mitten im November wurde vergangenes Jahr mit roten Weihnachtsmannkappen die Weihnachtszeit eingeläutet. Das war gewöhnungsbedürftig: Erstens weil die Temperaturen hier in Afrika so gar nicht weihnachtlich sind. Zweitens, weil es noch gar nicht Dezember war.
Mit folgenden Ritualen bereiten wir die Kinder dennoch auf Weihnachten vor: Jeden Tag dürfen mehrere ihr Adventskalendersäckchen ziehen, so dass am Ende alle 75 Schüler was bekommen haben. In unseren täglichen Andachten mit den Kindern erzählen wir ihnen über das Geschenk, das Gott uns an Weihnachten macht. An zwei Sonntagabenden feiern wir gemeinsam Adventsgottesdienste und singen internationale Weihnachtslieder. Wir musizieren viel, es gibt eine Geschichte, ein kleines Anspiel oder Gedanken zu einem weihnachtlichen Thema. Anschließend genießen alle Plätzchen und Punsch (bei +30°C).
Höhepunkt ist unsere Weihnachtsfeier mit Wichteln und echtem internationalen Weihnachtsmann. Die Wichtelgeschenke wurden von den Kinder selbst beim „Christmas-Shopping“ in Thiès, der knapp 40 km entferntgelegenen, nächstgrößeren Stadt, eingekauft und liebevoll verpackt. Im vergangenen Jahr hat ein brasilianischer Papa allen Kindern ihre Päckchen überreicht und sie herzlich gedrückt. Mal schauen, welche Nationalität unser Weihnachtsmann dieses Jahr hat!